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Sonstiges 10 /2011 |
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Personalentwicklungskonzept Hessen-Forst / IG BAU als PDF-Datei|
Herrn Michael Gerst Landesbetrieb Hessen-Forst Bertha-von Suttner Str. 3 34131 Kassel |
Oktober 2011
PE-Konzept Waldarbeit
Hier: Offene Fragen des BDF
Sehr geehrter Herr Gerst,
in der Mitarbeiterinfo vom 03.02.2011 teilten Sie mit, dass Sie gemeinsam mit der IG BAU ein Personalentwicklungskonzept Waldarbeit erarbeitet und dieses unterzeichnet haben. Der BDF-Hessen begrüßt ausdrücklich, dass damit begonnen wird, eine Konzeption für eine verlässliche und nachhaltige Personalentwicklung bei Hessen-Forst vorzulegen. Wir hatten stets darauf hingewiesen, dass eine solche fehlt und dass bei der unausgeglichenen Alterklassenverteilung für die anstehende Pensionierungswelle nicht genügend Vorsorge betrieben wird.
Da der BDF-Hessen erstaunlicherweise bei der Erarbeitung des PE-Konzepts Waldarbeit nicht beteiligt wurde, obwohl entscheidende Fragen zu Berufsbildern aller Mitarbeitergruppen und auch zur zukünftigen Organisationsgestaltung verhandelt wurden, stellen sich den Mitgliedern unseres Verbandes einige Fragen. Wir dürfen Ihnen diese zur Erklärung dieses Konzepts zusenden mit der Bitte um Antwort. Wir möchten nicht vorschnell Position beziehen, obwohl wir sehr beunruhigt sind, wie schon bei der Jahreshauptversammlung deutlich zu spüren war.
Um höchstmögliche Transparenz zu erzielen, wenden wir uns an Sie in Form eines offenen Briefes. Wir versprechen Ihnen, auch die Antworten in gleicher Weise zu veröffentlichen, um dem Informationsbedürfnis der verunsicherten Mitarbeiter weitest möglich nachzukommen.
Zur Einleitung:
1. Wir stimmen mit Ihrer Zielsetzung überein, „den Landesbetrieb Hessen-Forst als einen leistungs- und konkurrenzfähigen Anbieter forstlicher Leistungen in Hessen zu erhalten und weiterzuentwickeln“.
Dürfen wir davon ausgehen, dass auch Sie unter „Leistungen“ das
gesamte Spektrum der multifunktionalen Leistungen inklusive der
Hoheitsfunktion verstehen?
2. Wir stimmen mit Ihrer Zielsetzung überein, „den Beschäftigten zukunftsfähige und attraktive Arbeitsplätze nachhaltig zu sichern“.
Gilt dieses Ziel nur für die Mitarbeitergruppe der Forstwirte und
Forstwirtschaftsmeister?
Wie wollen Sie für die Beschäftigten, aber auch für die neuen Bewerber
das Berufsbild attraktiver gestalten und die Mitarbeiterbindung erhöhen,
wenn sie die Aussetzung der Verbeamtung und die Ungleichbehandlung von
Angestellten und Beamten bei gleicher Tätigkeit beibehalten?
3. Sie befinden, „dass wegen der unausgeglichenen Altersstruktur nicht alle altersbedingt ausscheidenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch geeignete Nachwuchskräfte ersetzt werden können“.
Woraus schließen Sie, dass nicht alle altersbedingt ausscheidenden
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch geeignete Nachwuchskräfte ersetzt
werden können? Könnte man bei intensiver Bemühung und konkurrenzkräftiger
Arbeitsplatzgestaltung nicht doch ausreichend geeigneten Nachwuchs binden?
Zu den Restriktionen:
4. Bezüglich der formalen Restriktionen wird festgestellt, dass das Reviersystem beibehalten wird und Reviere ausschließlich von Angehörigen des gehobenen forstwirtschaftlich technischen Dienstes geleitet werden.
Wie stellen Sie sich die Reviere nach Umsetzung des PE-Konzepts
bezüglich Größe, Organisationsform und betrieblichem Miteinander vor?
5. Bezüglich der wirtschaftlichen Restriktionen stellen Sie fest, dass
die Personalentwicklung kostenneutral erfolgen soll.
Wie wollen Sie die Kostenneutralität gewährleisten, wenn mehr
Forstwirtschaftsmeisterstellen geschaffen, mehr in die Fort- und
Weiterbildung investiert und mehr für Sachausstattung ausgegeben werden soll?
Geht dies auf Kosten der Forstwirte oder des gehobenen Dienstes?
6. Bezüglich der personellen Ziele soll das Konzept einen „Beitrag zur Kompensation der Nachwuchslücke im Tätigkeitsfeld des gehobenen Forstdienstes“ leisten.
Bedeutet diese Aussage, dass in Zukunft andere Beschäftigtengruppen
die Aufgaben des gehobenen Dienstes übernehmen sollen?
7. Bei den wirtschaftlichen Zielen wird die „Anpassung des Personalaufwands“ sowie die „Freisetzung der Mittel zur Finanzierung der angestrebten Personalentwicklungsmaßnahmen“ angesprochen.
Bedeutet dies
a)
weniger Geld für den einzelnen Beschäftigten oder
c) die
Aufgabe bzw. Reduzierung nicht marktfähiger Produkte bzw. Leistungen?
Zur Analyse der Ist-Situation:
8. Zur Ist-Situation werden lediglich
- die demographische Entwicklung der Beschäftigtengruppe Gehobener Dienst
- die Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung 2008
- die Qualifikations- und Anforderungsprofile der Forstwirte,
Forstwirtschaftsmeister und der geprüften Natur- und Landschaftspfleger
sowie
- die technischen Rationalisierungspotenziale betrachtet.
Warum beschränken Sie sich auf eine so verkürzte und unvollkommene
Situationsanalyse und betrachten nicht beispielsweise
- das zu bearbeitende, in den vergangenen Jahre erweiterte
Aufgabenspektrum (Produkte/Innenaufträge),
9. Betrachtet die überwiegende Anzahl der Revierleiter die derzeitige
Arbeitsbelastung als angemessen?
10. Ist die Annahme sachlich zu belegen, dass „die
Funktionsbeschäftigten ihre derzeitigen Aufgaben i.d.R. nicht als
langfristige berufliche Perspektive verstehen? Gibt es hierzu z.B. eine
repräsentative Befragung? Der subjektive Eindruck, speziell bei der Gruppe
der FTech, in deren Aufgabenspektrum ja u.a. die Forstwirtschaftsmeister
hineinwachsen sollen, spiegelt diese Annahme nicht wieder.
Zur Bewertung der Ist-Situation:
11. Sollen staatliche Forstwirtschaftsmeister und staatliche
Forstwirte in gleicher Weise wie im Staatswald auch im Kommunal- und
Privatwald eingesetzt werden?
12. Warum wird möglichen Personalengpässen durch die absehbare Pensionierungswelle nicht frühzeitig durch vorausschauende ausreichende Einstellung von dem Berufsbild entsprechend qualifizierten Forstleuten des gehobenen forsttechnischen Dienstes vorgebeugt?
Zu den betrieblichen Lösungsansätzen:
13. Welche konkreten Vorstellungen haben Sie als Unterzeichner bezüglich der Verschiebung von handwerklichen zu dispositiven Tätigkeiten in der Beschäftigtengruppe der Forstwirte und Forstwirtschaftsmeister?
14. Soll mit den unter Pkt. 4.1 aufgeführten Aussagen zum Qualifikationsprofil der Forstwirtschaftsmeister die Aussage getroffen werden, dass eine Ausbildung zum Forstwirtschaftsmeister weitgehend ein forstwirtschaftliches Studium einschließlich des Vorbereitungsdienstes und des Entwicklungspfades ersetzt?
Zur Zusammenfassung:
15. Sie schreiben: „Es wird deutlich, dass die wirtschaftlichen Zielsetzungen durch das PE-Konzept zunächst mehrheitlich nicht erreicht werden. Um auch in diesem Bereich einen hohen Zielerreichungsgrad zu gewährleisten, muss das PE-Konzept durch prozessbegleitende Maßnahmen ergänzt werden.“
Welche prozessbegleitenden Maßnahmen sind konkret gemeint?
16. Unter den flankierenden Maßnahmen beschreiben Sie, dass ein dem technischen und sozialen Fortschritt entsprechendes und betriebsnotwendiges Rationalisierungspotenzial genutzt werden soll.
Bedeutet diese Formulierung weiteren Personalabbau trotz gestiegenen
Aufgabenumfangs und finanzwirtschaftlichen Erfolgs des Landesbetriebs? Wenn
ja, in welcher Beschäftigtengruppe?
Zur Schlussbetrachtung:
17. Sie schreiben: „Hessen-Forst und die IG BAU erklären, dass sie sich bei der Weiterentwicklung der betrieblichen Organisationskonzepte im Rahmen ihrer jeweiligen Kompetenz und Rolle konstruktiv und in gegenseitigem Vertrauen von den aufgezeigten Perspektiven leiten lassen“.
Bedeutet diese Formulierung, dass das mit dem GPR abgestimmte
Strukturkonzept 2005 einschließlich der vereinbarten Stellenzuweisungen von
den Unterzeichnern in Frage gestellt oder sogar aufgehoben wird?
Mit großer Sorge betrachtet der BDF-Hessen das zwischen Landesbetriebsleitung und IG BAU beschlossene PE-Konzept Waldarbeit.
Wir hoffen, dass Sie durch erklärende Antworten diese Sorgen zerstreuen können.
Mit freundlichen und kollegialen Grüßen
Für den Vorstand
Dr. G. Hütte-von Essen
(Landesvorsitzender)
Stand:
11. April 2012