Positionspapier des BDF-Hessen zur personellen und organisatorischen Zukunft
des Landesbetriebs Hessen-Forst (Februar 2012)
Ausgangssituation
- Hessen-Forst steht in den kommenden Jahren vor der Herausforderung
einer Pensionierungs- und Verrentungswelle.
- Die Mitarbeiterschaft von Hessen-Forst wurde in den vergangenen
Jahren bis zur Belastungsgrenze verringert. Das
„Altersklassenverhältnis“ ist unausgeglichen.
- Die bewusste Unterausstattung mit Personal im Zuge der
Verwaltungsreform 2005 konnte bis heute noch nicht durch
organisatorische und technische Verbesserungen aufgefangen werden.
- Die Aufgabenfülle des Landesbetriebs Hessen-Forst wurde um mehrere
Produkte erweitert (u.a. Nationalpark).
- Hessen-Forst erbringt Leistungen ohne entsprechende
Produktabgeltung.
- Die demografische Entwicklung zwingt den Landesbetrieb Hessen-Forst
in eine harte Konkurrenz mit anderen Arbeitgebern um die besten
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
- Die Landesbetriebsleitung sieht zunehmend Probleme in
Personalgewinnung und –bindung.
- Die finanzielle Lage des Landesbetriebs Hessen-Forst ist so gut wie
nie zuvor.
- Der Erfolg des Landesbetriebs ist wesentlich das Ergebnis des großen
Engagements der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Positionen
1. Hessen-Forst braucht attraktivere Arbeitsplätze
in allen Beschäftigtenbereichen
dazu gehört:
- gerechte Bezahlung aller Beschäftigtengruppen, insbesondere
aufgabengerechte Eingruppierung der Angestellten (gleiche Arbeit –
gleiches Geld)
- bessere und leistungsgerechtere Bezahlung nach Jahren des
Realverdienstverlustes
- Wiedereinführung der Verbeamtung im gehobenen und höheren
Dienst u. a. zur dauerhaften Personalbindung
- Gesunderhaltung im Arbeitsleben in allen
Beschäftigungsbereichen bis ins Ruhestandsalter
- Abbau von Überlastungen des Revierdienstes durch eher kleinere
als größere Reviere, Verringerung von Verwaltungsaufwand und
Unterstützung durch gleichwertig qualifiziertes Funktionspersonal sowie
zusätzliche Forstwirtschaftsmeister
- innovative Lebensarbeitszeitmodelle, z.B. Arbeitsmodelle für
Ältere („gleitender Ruhestand“)
- Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf
- Vertretungsregelungen für alle Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter
- Konsequente Fortbildung auf dem Stand der Technik
- Moderne Arbeitsmittel
2. Hessen-Forst braucht eine nachhaltige
Personalentwicklung und eine ausgeglichene Altersstruktur
dazu gehört:
- kontinuierliche, ausreichende und gleichqualifizierte Einstellung in
allen Bereichen
- „Voranbau“ von Personal mit Blick auf den Personal- und
Erfahrungsverlust mit der bevorstehenden Pensionierungs- und
Verrentungswelle
- ein ausgefeiltes und gut durchdachtes mittelfristiges
Personalkonzept
3. Hessen-Forst braucht eine Intensivierung der
Nachwuchsgewinnung
dazu gehört:
- Einrichtung eines transparenten und attraktiven
Einstellungsverfahrens mit klar formulierten Probezeiten und
anschließend unbefristeter Übernahme
- Intensivere Kooperation mit Hochschulen (Studienplätze, Lehrinhalte,
Exkursionen, Master- und Bachelorarbeiten)
- Intensivere Kooperation mit Schulen und tlw. bereits Kindergärten
- Freiwilliges Ökologisches Jahr und andere Formen längerer und
kürzerer Praktika, Ferienjobs
- Aktive Unterstützung/Einbindung von waldbezogenen
Jugendorganisationen, z.B. Dt. Waldjugend
Waldjugendspiele
- „girls day“ und vergleichbare Aktivitäten
- Intensivere Nutzung neuer, von der Jugend genutzter Medien und
sozialer Netzwerke
4. Hessen-Forst braucht Konzepte für die erfolgreiche
Werbung von Späteinsteigern
dazu gehört:
- Wiedereinstiegsprogramme, z.B. nach Elternzeiten, Tätigkeiten in
anderen Berufsfeldern usw.
- Aktives Anwerben von Fachleuten auch aus anderen Betrieben
- Qualifizierungsprogramme für Forstspezifika
5. Hessen-Forst muss das Qualitätsniveau des
Personals halten bzw. verbessern
dazu gehört:
- Wiederbesetzung aller Dienstposten mit gleich-qualifiziertem
Personal
- Kein „Ersatz“ oder Nichtbesetzung von Dienstposten des gehobenen
forstwirtschaftlich-technischen Dienstes
- Einarbeitungs- und Mentorsystem
- Duales Studium im Bereich des gehobenen forsttechnischen Dienstes
zur frühzeitigen Personalauswahl und -bindung
- Meisterstudium als Aufstiegschance für Forstwirtschaftsmeister
6. Hessen-Forst braucht eine umfassende Aufgabenkritik
dazu gehört:
- systematische Durchleuchtung aller Aufgaben/Innenaufträge
- Priorisierung der Aufgaben
- Angemessene, an den Aufgaben orientierte Personal-, Sach- und
Finanzausstattung
7. Hessen-Forst braucht ein klares Bekenntnis aller
Entscheidungsträger zur NVS
dazu gehört:
- produktbezogene Leistungsbewertung und Ausstattung
- Produktabgeltung gemäß den zugewiesenen gesetzlichen Aufträgen
insbesondere in den Bereichen Betreuung des Kommunal- und Privatwaldes,
Naturschutz und Waldpädagogik
- produktbezogene Erhöhung bzw. Reduzierung des Personalaufwands nach
klarer Maßgabe und Verantwortung des politischen Auftraggebers
(Bestellung und Bezahlung sind untrennbar)
8. Hessen-Forst braucht ein funktionierende internes
Beschwerdemanagement zur Sicherstellung der Grundsätze für Führung
und Zusammenarbeit.
Fazit
Der BDF-Hessen erkennt die Initiative des Landesbetriebes Hessen-Forst, ein
zukunftsfähiges Personalkonzept zu entwickeln, an. Eine unserer Kernaufgaben
sehen wir als verantwortungsvoller Berufsverband darin, konstruktiv an
zukunftsfähigen, an die demografische Entwicklung angepassten
Personalkonzepten mit zu arbeiten. Der BDF-Hessen ist davon überzeugt, dass
sichere, attraktive und leistungsgerecht bezahlte Arbeitsplätze es dem
Landesbetrieb auch in Zukunft ermöglichen, nachhaltig Personal gewinnen und
halten zu können.
Generelle, unspezifizierte Sparvorgaben, Personalreduzierungen
und eine Absenkung des Qualitätsniveaus des Personals lehnt der BDF-Hessen
als nicht zielführend ab.